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Handwerk. Was ist denn das?

11. Dezember 2009
 

Das Handwerk wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen

Eine Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr belegt deutlich: Das Handwerk wird kaum wahrgenommen. So haben etwa nur ein Drittel aller Bundesbürger in letzter Zeit etwas über das Handwerk gelesen oder gehört. Den Beruf Metzger ordnen nur zehn Prozent der Befragten dem Handwerk zu. Beim Schreiner sind es immerhin noch 67 Prozent, beim Maurer nur 50 Prozent. „Das ist eine fatale Entwicklung", weiß der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken, Rolf Lauer. „Es werden viel zu viele Handwerksberufe im öffentlichen Bewusstsein anderen Wirtschaftsbereichen zugeordnet. Die gesellschaftliche Verantwortung des Handwerks kann so von der Öffentlichkeit nicht erkannt werden." Bei den 14- bis 18-Jährigen, den potenziellen Auszubildenden also, gaben nur magere elf Prozent an, in letzter Zeit vom Handwerk gehört oder gelesen zu haben, so die Forsa-Ergebnisse. Das Handwerk werde vor allem mit hohen Preisen, geringen Verdienstmöglichkeiten, schlechten Arbeitsbedingungen und schlechter Qualität in Verbindung gebracht. „Wenn dieses negative Image des deutschen Handwerks so erhalten bleibt, sehe ich unsere Zukunft sehr schwer werden. Gerade in Zusammenhang mit dem demographischen Faktor, dass wir bald weniger Schulabgänger haben werden, wird sich die die Suche unserer Betriebe nach geeigneten Lehrlingen um ein vielfaches verschlimmern", sagt Hugo Neugebauer, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken.

Doch woran liegt es, dass das Handwerk in der Öffentlichkeit und vor allem bei den Jugendlichen nicht oder sogar negativ gesehen wird? „Es gibt keine allumfassende Erklärung", so Rolf Lauer, „aber es ist uns allen bislang nicht gelungen, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass Handwerk modern und innovativ ist, dass Handwerk enorme Entwicklungsmöglichkeiten bietet, dass Handwerk gerade jetzt in der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise der stabilisierende Faktor unserer Wirtschaft ist. Unsere Handwerksbetriebe leisten großartige Arbeit, jeden einzelnen Tag. Aber wir müssen anfangen, über das zu reden, was wir leisten." Denn sonst könnte die Entwicklung noch dramatischer werden. Haben im Jahr 1989 noch 98 Prozent aller Befragten das Handwerk für sehr wichtig oder wichtig erachtet, waren es 1998 schon zehn Prozent weniger, also 88 Prozent. „Bei den 14- bis 18-Jährigen ist der Anteil derer, die das Handwerk für wichtig halten, deutlich niedriger als der Durchschnitt aller Bürger", so ein Ergebnis der Umfrage.

Distanz der Generationen

Sehr gravierend zeigen sich die Ergebnisse der Forsa-Umfrage, wenn die Antworten der Jugendlichen mit denen der Senioren verglichen werden. Hier ist ganz klar zu erkennen, dass die ältere Generation ein weitaus besseres Bild des Handwerks hat als die jüngere. Gerade bei der Frage nach dem sozialen Ansehen des Handwerks zeigt sich, dass viele Jugendliche das Handwerk als sozial tief stehend einordnen. Im Gegenteil dazu die Generation der über 60-Jährigen. Sie würdigt das soziale Ansehen des Handwerks. Während beispielsweise 80 Prozent der über 60-Jährigen das Handwerk als „sympathisch" bezeichneten, lag der Wert bei den 14- bis 18-Jährigen bei 56 Prozent. „Je schlechter der soziale Status eines Wirtschaftszweiges, desto weniger Menschen möchten in Ihm arbeiten", bringt es Hugo Neugebauer auf den Punkt. Vor allem Jugendliche mit besserer Schulbildung unterschätzen das Handwerk, so die Macher der Studie: „Mit ihrer technischen und sozialen Lebenswelt hat das Handwerk aus Sicht der Jugendlichen wenig zu tun."

Dennoch: Das Handwerk durchdringt alle Lebensbereiche. Fünf Millionen Handwerker legen in Deutschland Tag für Tag Hand an: Sie installieren, reparieren und konstruieren - um nur einige ihrer Aufgaben zu nennen. Handwerker gestalten die Welt, wie wir sie kennen. Aber wie würde das Leben wohl ohne ihre Fertigkeiten aussehen? „Es ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, das Handwerk zu stärken. Denn weniger Auszubildende führen zu weniger Gesellen, zu weniger Meistern, zu weniger Betrieben. Irgendwann kann die flächendeckende Versorgung nicht mehr gewährleistet werden", malt der Hauptgeschäftsführer ein düsteres Zukunftsbild. Doch um dem entgegenzuwirken, wartet das deutsche Handwerk nicht nur auf politische Signale, es nimmt die Ergebnisse der Forsa-Meinungsumfrage als Anlass, im kommenden Jahr mit einer großangelegten Imagekampagne zu starten.

 

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