96. ordentliche Vollversammlung der Handwerkskammer

96. ordentliche Vollversammlung der HandwerkskammerLupe

Präsident Walter Stoy fordert den schlanken Staat

Im Zeichen der gescheiterten Reformpolitik mit Neuwahlen am Horizont, der weiterhin lahmenden Binnennachfrage und der deshalb schwierigen Situation vieler Handwerksbetriebe stand die 96. ordentliche Vollversammlung der Handwerkskammer für Unterfranken am 5. Juli 2005 im großen Saal der HWK-Hauptverwaltung in Würzburg unter der bewährten Leitung von Präsident Walter Stoy. Nach dem Geschäftsbericht über das Jahr 2004 und der Vorlage der Jahresrechnung 2004 wählte die Vollversammlung mit Diplom-Kaufmann Rolf Lauer einen neuen Hauptgeschäftsführer.

In seiner Begrüßung kommentierte Handwerkskammer-Präsident Walter Stoy den aktuellen Vorschlag von ZDH-Präsident Otto Kentzler, Krankheitstage auf Urlaub anzurechnen, wobei der gesetzlich Urlaubsanspruch nicht angetastet werden solle. Stoy gab zu bedenken, dass es auch andere Möglichkeiten gebe, Urlaubstage sinnvoll einzubringen, beispielsweise zu Gunsten der Renten- und Pflegeversicherung. Auch darüber solle man nachdenken.

Arbeitsplätze brauchen Arbeitgeber

Die Ergebnisse der wirtschaftspolitischen Reformen seien frustrierend, fuhr Stoy fort. Wir bewegten uns weiterhin auf der Stelle. Von der von der Bundesregierung durch die Handwerksreform erwarteten 1 Million neuer Arbeitsplätze gebe es keine Spur, auch nicht durch die politisch gewollten Existenzgründungen, die die Arbeitsplatzverluste bei den etablierten Betrieben nur beschleunigten. Die rasante Zunahme von Fliesenlegerbetrieben in den letzten eineinhalb Jahren um deutschlandweit mehr als 100 % würde ja nicht gleichzeitig auch zu mehr Aufträgen führen. "Arbeitsplätze brauchen Arbeitgeber", forderte Stoy, "und keine Ich-AGler." Die Zunahme bei den B1-Berufen, also denjenigen 53 Berufen, die seit 2004 ohne Qualifikationsnachweis ausgeübt werden dürften, wirke sich auch negativ auf die Ausbildungsleistung aus. Tatsächlich fehle bei 85 % der Existenzgründer der Nachweis fachlicher Qualifikation. Fazit, so Stoy: "Wer selbst nicht ausgebildet ist, kann auch nicht ausbilden. Das lässt sich auch nicht mit einer Ausbildungsplatzabgabe reparieren."

Unsere Jugend erhalte erst dann wieder Perspektiven, wenn die strukturellen Defizite überwunden seien. Was zu tun sei (Abbau der Regelungswut und Überbürokratisierung, Subventionsabbau, Senkung der Lohnzusatzkosten, Reduzierung der Staatsquote ...) höre man zwar jeden Tag, aber es geschehe nichts. Trotz allem müssten wir weiterhin Vertrauen in den Reformprozess Deutschlands setzen. Das Handwerk aber auch die Sozialpartner seien aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten, schloss Präsident Walter Stoy sein Statement zur Lage des Handwerks.

Rückläufige Nachfrage bei der Aus- und Weiterbildung im Trend

Im anschließenden Jahresbericht 2004 verwies Stellv. Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer auf die Entwicklung des regionalen Handwerks (mehr Betriebe, weniger Beschäftigte und Lehrlinge, stagnierende Umsätze) sowie auf die Leistungsdaten der Handwerkskammer (weniger Kurse, Kursteilnehmer, Teilnehmerstunden und Prüfungen, dafür mehr beratene Unternehmen). Die Handwerkskammer für Unterfranken können sich diesem allgemeinen, auch auf die Bevölkerungsentwicklung zurückgehenden Trend nicht entziehen. Mit einem kleinen positiven Ergebnis schloss das Rechnungsjahr 2004 der Handwerkskammer. Wie Lauer erläuterte, sei dies auf den wiederum sehr sparsamen Einsatz der finanziellen Ressourcen sowie über die Reduzierung des Kammerpersonals erreicht worden.

Höhepunkt der 96. ordentlichen Vollversammlung war die Neuwahl des Hauptgeschäftsführers. Als einziger Kandidat stand Rolf Lauer, der bisherige Stellvertreter des Ende April plötzlich verstorbenen langjährigen Hauptgeschäftsführers Franz Josef Kleespies, zur Wahl. Nach längerer Debatte und schriftlicher Abstimmung wurde Rolf Lauer von einer überwältigenden Mehrheit zum neuen Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken gewählt (siehe nebenstehenden Bericht).

Die Vollversammlung beschloss darüber hinaus eine neue Sachverständigenordnung, berief und änderte mehrere Prüfungsausschüsse und beschloss die Fortschreibung der überbetrieblichen Unterweisungsmaßnahmen in der beruflichen Grundbildung (1. Lehrjahr) sowie in der Fachstufe (2. bis 4. Lehrjahr).

online seit 16. Dez 2005, aktualisiert am 11. Nov 2011

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