97. ord. Vollversammlung der Handwerkskammer
Handwerkskammerbeiträge bleiben stabil
Die 97. ordentliche Vollversammlung der Handwerkskammer für Unterfranken am 13. Dezember im BTZ Würzburg stand im Zeichen politischer Reformen und einer sich andeutenden schwachen konjunkturellen Erholung.
Handwerkskammer-Präsident Walter Stoy beschrieb in seinem Situationsbericht die Bundesrepublik Deutschland als eine gewaltige Reformbaustelle, die erste schwache Signale einer konjunkturellen Erholung erkennen lasse. Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte auf 19 % sei jedoch Gift für die langsam an-springende Konjunktur. Dem wichtigsten Ziel zur Entlastung der Handwerkswirtschaft, die Senkung aller Sozialbeiträge auf in der Summe unter 40 %, räumte Stoy geringe Chancen ein. Auch dürfe eine sparsame Haushaltspolitik bei den öffentlichen Haushalten nicht dazu führen, dass Investitionen weiter gekürzt werden. Denn dann bestünde die Gefahr, dass der Aufschwung abgewürgt würde.
Positiv dagegen erscheint im vergangenen Jahr 2005 der erstmalig leichte Rückgang der Schwarzarbeit, deren Umfang in der Spitze auf einen Wert von 20 % des deutschen Bruttosozialproduktes geschätzt wurde. Allerdings sei dieser Rückgang zumindest teilweise lediglich auf eine gewisse Legalisierung der Schattenwirtschaft im Zuge der novellierten Handwerksordnung und der zulassungsfreien Berufe der Anlage B1 zurückzuführen. Im Hinblick auf die Inhalte der Koalitionsvereinbarungen erläuterte Präsident Stoy, dass die ab 1.1. 2006 wegfallende Eigenheimzulage sich kontraproduktiv für die Unternehmen des Bau- und Ausbaugewerbes auswirke.
Zusätzliche marktfördernde Maßnahmen seien dringend erforderlich. Mut und Unternehmerwille der Betriebe reichten alleine nicht aus, wenn Aufträge fehlen und die Kassen der Kommunen leer sind. Das wesentliche Problem der öffentlichen Haushalte, der gewaltige Schuldenberg, dürfe nicht schön geredet werden. Es sei jedoch nicht angebracht und der Sache dienlich, die Hoffnung aufzugeben . Gegenteilig solle der neuen Regierung die Chance eingeräumt werden, die Probleme offensiv anzugehen. Allerdings werde das Handwerk wie in der Vergangenheit die Politik mit Wachsamkeit und mit mahnender Stimme begleiten.
Organisationsreform für höhere Leistungskraft der Innungen
Doch nicht nur in der Politik, auch im Handwerk gebe es viel zu tun, fuhr Stoy fort. So sei die Organisationsreform zwar seit rund 20 Jahren ein immer wieder diskutiertes Thema.
Viel geändert habe sich jedoch bisher nicht. Aufgrund der weiterhin großen Zahl an In-nungen und Kreishandwerkerschaften, bleibe das Handwerk quasi "atomisiert" und sei deshalb oft nicht handlungsfähig. Um sich heute Gehör zu verschaffen, brauche es jedoch größere Einheiten. Mittlerweile sei bei den Innungen eine höhere Reformbereitschaft festzustellen. In Zeiten, in denen der Organisationsgrad sinkt und Kosten und Nutzen einer Innungsmitgliedschaft stärker abgewogen werden, machten sich viele Innungen Gedanken, ihre Dienstleistungen für die Mitglieder auszubauen. Dies gelinge meist nur über entsprechend größere Einheiten. Stoy forderte die anwesenden Innungsvertreter dazu auf, die Chancen von Innungskooperationen in ihrem jeweiligen Bereich zu prüfen und entsprechend zu nutzen.
Stoy berichtete von einer beim Zentralverband des Deutschen Handwerks eingerichteten sogenannten "Präsidialen Arbeitsgruppe", die Ziele der Organisationsreform definiere und dazu am 26. November ein Positionspapier verabschiedet habe. Als Ziele gemäß dem Motto "Mehr Geld für mehr Leistungskraft" sind dort u. a. aufgeführt eine Erhöhung der finanziellen Transparenz, die Straffung der Gesamtorganisation sowie die Entwicklung von Mehrwerten für die Mitgliedsbetriebe.
Im weiteren Verlauf setzte die Vollversammlung einstimmig die Mitgliedsbeiträge für das Jahr 2006 auf dem unveränderten Niveau des Vorjahres fest. Anschließend erläuterte Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer den Mitgliedern der Vollversammlung den Haushaltsplan für 2006, der von diesen mit einstimmigem Votum beschlossen wurde.
Wie vom Berufsbildungsausschuss empfohlen, wurden Fortbildungsprüfungsordnungen zu folgenden anerkannten Abschlüssen erlassen: Geprüfter Kosmetiker/in (HWK), Geprüfter Fachwirt / Fachwirtin für Ganzheitskosmetik und Wellness (HWK), Qualifizierter EDV-Anwender/in (HWK), Betriebsinformatker/in (HWK), Professioneller EDV-Anwender/in (HWK), Netzwerk-Service-Techniker/in (HWK) sowie Anwendungsentwickler/in (HWK). Die Beschlüsse zur Berufung bzw. Änderung von Gesellenprüfungsausschüssen betrafen folgende Gewerke: Das Konditorenhandwerk (Unterfranken), das Schreinerhandwerk (Stadt- und Landkreis Würzburg und Landkreis Main-Spessart) sowie das Brauer- und Mälzer-Handwerk (Prüfungsbezirke Unterfranken, Mittelfranken und Oberpfalz).