Jahrespressegespräch der Handwerkskammer
Ausbildungsbereitschaft weiter auf höchstem Niveau
Würzburg - 13. Januar 2006 - Die Ausbildungsbereitschaft der unterfränkischen Handwerksbetriebe bei anhaltend schlechter Konjunkturlage und nach wie vor rückläufigen Be-schäftigungszahlen verdiene hohe Anerkennung, so Kammerpräsident Walter Stoy beim alljährlichen Pressegespräch der Handwerkskammer im Würzburger Hotel Walfisch. Mit insgesamt 3.345 neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen weist die Ausbildungsstatistik der Handwerkskammer zum 31.12.2005 zwar ein rückläufiges Ergebnis aus. Mit der Besetzung von 183 Plätzen zur Einstiegsqualifizierung konnte jedoch weiteren Jugendlichen der Zugang zur Berufsausbildung ermöglicht werden.
Es ist eine gute Tradition: Seit vielen Jahren bildet die Auszeichnung der Bundessieger des Praktischen Leistungswettbewerbs im Würzburger Hotel Walfisch den äußeren Anlass, die regionale Presse in einem Gespräch über die Lage des Handwerks in Unterfranken, die Ausbildungssituation sowie die Aktivitäten der Handwerkskammer zu informieren. So stellten sich Mitte Januar HWK–Präsident Walter Stoy und Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer den Fragen der Medienvertreter.
Präsident Walter Stoy berichtete von der schwierigen Hypothek aus den Vorjahren, verursacht durch die Novellierung der Handwerksordnung, mit der das Handwerk in ein neues Jahr gehe. Besonders in den Berufen der Anlage B1 gebe es zwar ein starkes Betriebswachstum, zu 90 % handele es sich dabei aber um unqualifizierte Gründungen von Ich–AG‘s, was jedoch andererseits zur leichten Abnahme der Schattenwirtschaft führte. Parallel dazu nähmen, speziell bei den Fliesenlegern, die Zahl der Kundenreklamationen deutlich zu. Stoy kritisierte die in Schloss Gänshagen getroffenen Entscheidungen der Bundesregierung als „zu kurze Schritte“. Positiv sei das Investitionsprogramm, von dem auch das Handwerk profitieren sollte, sowie die verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten für Handwerksleistungen am Eigenheim. Kontraproduktiv wirke sich die gestrichene Eigenheimzulage und die für 2007 angekündigte Mehrwertsteuererhöhung aus. Allerdings könnten Vorzieheffekte in 2006 zu einer konjunkturellen Belebung führen.
Als enormes Problem für viele Handwerksbetriebe bezeichnete Stoy das Rentenentlastungsgesetz. Die Vorverlegung des Zahlungs-termins der Sozialbeiträge um 14 Tage führe in 2006 zu einer Mehrbelastung von rund 20 Milliarden Euro und zu mehr Bürokratie.
Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer ging auf die Auswirkungen der novellierten Handwerksordnung ein. Er verwies auf den gewaltigen Betriebszuwachs der Anlage B1-Berufe um 438 Betriebe in Unterfranken allein im Jahr 2005. Das bedeutet in dieser Gruppe eine Zunahme um 51 % seit Anfang 2004, gegenüber 0,4 % Betriebszuwachs im Vollhandwerk. Gleichzeitig sei die Anzahl der B1-Ausbildungsverhältnisse dramatisch um 22 % gesunken. Die Handwerksnovelle, resümierte Lauer, „mindert die Qualität, schafft lediglich Kleinstbetriebe und senkt die Ausbildungsleistung“. Die Kammer befürchte erhebliche Auswirkungen auf die Qualität der Dienstleistungen.
Ausbildungspakt in Unterfranken erfüllt
Angesichts des in 2005 weiterhin schwierigen Umfeldes sei die Aus-bildungsbilanz im unterfränkischen Handwerk hervorragend, bilanzierte Doris Engelhardt, Leiterin der Abtei-ung Ausbildung, die detaillierter auf die Ausbildungszahlen einging. Auch durch die vielfältigen Bemü-hungen im Rahmen des Ausbildungspaktes der Wirtschaft, konnten die Vorgaben, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot zu machen, erfüllt werden. So wurden von den haupt– und ehrenamtlichen Akquisiteuren der Handwerkskammer insgesamt 839 neu eingeworbene Ausbildungsplätze registriert.
Große Unterschiede bei der diesjährigen Ausbildungsbilanz offenbart die Betrachtung der drei Regionen Unterfrankens, so Engelhardt weiter: Während die Region um Schweinfurt, der letztjährige Spitzenreiter (in 2004 Plus von 95 Ver-trägen = 6,8 %) nun mit einem Minus von 178 Verträgen und damit - 12 % gegenüber dem Vorjahr aufwartet, fällt das Ergebnis am Untermain mit einem Minus von 86 Verträgen und damit - 8,3 % (in 2004 Plus von 20 Verträgen = 1,9 %) geringer aus. Die Region Würzburg mit einem Minus von 106 Verträgen, das entspricht – 8,9 %, bleibt indessen relativ stabil (in 2004 - 85 Verträge = - 6,6 %).
Wegen eines Mangels an geeigneten und interessierten Bewerbern konnten auch im Jahr 2005 wiederum nicht alle vom Handwerk angebotenen Ausbildungsplätze und Plätze zur Einstiegsqualifizierung quer durch alle Berufe besetzt werden. Zusätzlich gehen jährlich ca. 10 %, also ca. 350 Ausbildungsstellen dadurch verloren, dass die Bewerber ihre vertraglich besiegelte Lehrstelle nicht antreten, schloss die Ausbildungsexpertin.
Die konjunkturelle Belebung im unterfränkischen Handwerk, die die Betriebe seit Sommer 2005 spüren, hat sich bis zum Ende des vergangenen Jahres fortgesetzt. Der Abbau von Beschäftigung im Handwerk gehe zwar weiter, habe sich aber verlangsamt, erläuterte HWK–Geschäftsführer Andreas Klaeger die Vorabauswertung der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für das 4. Quartal 2005.
Danach hat sich die Auftragssituation auf weiter niedrigem Niveau stabilisiert, doch noch immer beurteilen die Handwerker ihre Geschäfte mehrheitlich negativ. Die leichte Erholung zeigt sich daran, dass die Auslastung der Betriebe Ende 2005 die 70 Prozent–Marke wieder überschritten und sich die Investitionsquote mit 28 Prozent wieder erhöht hat. „Die Erwartungen für das 1. Quartal 2006 sind von verhaltener Zuversicht geprägt", sagte Klaeger, "denn der Anteil der Betriebe, die skeptisch in die Zukunft blicken, sinkt."
Würzburg - 13. Januar 2006 - Die Ausbildungsbereitschaft der unterfränkischen Handwerksbetriebe bei anhaltend schlechter Konjunkturlage und nach wie vor rückläufigen Be-schäftigungszahlen verdiene hohe Anerkennung, so Kammerpräsident Walter Stoy beim alljährlichen Pressegespräch der Handwerkskammer im Würzburger Hotel Walfisch. Mit insgesamt 3.345 neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen weist die Ausbildungsstatistik der Handwerkskammer zum 31.12.2005 zwar ein rückläufiges Ergebnis aus. Mit der Besetzung von 183 Plätzen zur Einstiegsqualifizierung konnte jedoch weiteren Jugendlichen der Zugang zur Berufsausbildung ermöglicht werden.
Es ist eine gute Tradition: Seit vielen Jahren bildet die Auszeichnung der Bundessieger des Praktischen Leistungswettbewerbs im Würzburger Hotel Walfisch den äußeren Anlass, die regionale Presse in einem Gespräch über die Lage des Handwerks in Unterfranken, die Ausbildungssituation sowie die Aktivitäten der Handwerkskammer zu informieren. So stellten sich Mitte Januar HWK–Präsident Walter Stoy und Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer den Fragen der Medienvertreter.
Präsident Walter Stoy berichtete von der schwierigen Hypothek aus den Vorjahren, verursacht durch die Novellierung der Handwerksordnung, mit der das Handwerk in ein neues Jahr gehe. Besonders in den Berufen der Anlage B1 gebe es zwar ein starkes Betriebswachstum, zu 90 % handele es sich dabei aber um unqualifizierte Gründungen von Ich–AG‘s, was jedoch andererseits zur leichten Abnahme der Schattenwirtschaft führte. Parallel dazu nähmen, speziell bei den Fliesenlegern, die Zahl der Kundenreklamationen deutlich zu. Stoy kritisierte die in Schloss Gänshagen getroffenen Entscheidungen der Bundesregierung als „zu kurze Schritte“. Positiv sei das Investitionsprogramm, von dem auch das Handwerk profitieren sollte, sowie die verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten für Handwerksleistungen am Eigenheim. Kontraproduktiv wirke sich die gestrichene Eigenheimzulage und die für 2007 angekündigte Mehrwertsteuererhöhung aus. Allerdings könnten Vorzieheffekte in 2006 zu einer konjunkturellen Belebung führen.
Als enormes Problem für viele Handwerksbetriebe bezeichnete Stoy das Rentenentlastungsgesetz. Die Vorverlegung des Zahlungs-termins der Sozialbeiträge um 14 Tage führe in 2006 zu einer Mehrbelastung von rund 20 Milliarden Euro und zu mehr Bürokratie.
Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer ging auf die Auswirkungen der novellierten Handwerksordnung ein. Er verwies auf den gewaltigen Betriebszuwachs der Anlage B1-Berufe um 438 Betriebe in Unterfranken allein im Jahr 2005. Das bedeutet in dieser Gruppe eine Zunahme um 51 % seit Anfang 2004, gegenüber 0,4 % Betriebszuwachs im Vollhandwerk. Gleichzeitig sei die Anzahl der B1-Ausbildungsverhältnisse dramatisch um 22 % gesunken. Die Handwerksnovelle, resümierte Lauer, „mindert die Qualität, schafft lediglich Kleinstbetriebe und senkt die Ausbildungsleistung“. Die Kammer befürchte erhebliche Auswirkungen auf die Qualität der Dienstleistungen.
Ausbildungspakt in Unterfranken erfüllt
Angesichts des in 2005 weiterhin schwierigen Umfeldes sei die Aus-bildungsbilanz im unterfränkischen Handwerk hervorragend, bilanzierte Doris Engelhardt, Leiterin der Abtei-ung Ausbildung, die detaillierter auf die Ausbildungszahlen einging. Auch durch die vielfältigen Bemü-hungen im Rahmen des Ausbildungspaktes der Wirtschaft, konnten die Vorgaben, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot zu machen, erfüllt werden. So wurden von den haupt– und ehrenamtlichen Akquisiteuren der Handwerkskammer insgesamt 839 neu eingeworbene Ausbildungsplätze registriert.
Große Unterschiede bei der diesjährigen Ausbildungsbilanz offenbart die Betrachtung der drei Regionen Unterfrankens, so Engelhardt weiter: Während die Region um Schweinfurt, der letztjährige Spitzenreiter (in 2004 Plus von 95 Ver-trägen = 6,8 %) nun mit einem Minus von 178 Verträgen und damit - 12 % gegenüber dem Vorjahr aufwartet, fällt das Ergebnis am Untermain mit einem Minus von 86 Verträgen und damit - 8,3 % (in 2004 Plus von 20 Verträgen = 1,9 %) geringer aus. Die Region Würzburg mit einem Minus von 106 Verträgen, das entspricht – 8,9 %, bleibt indessen relativ stabil (in 2004 - 85 Verträge = - 6,6 %).
Wegen eines Mangels an geeigneten und interessierten Bewerbern konnten auch im Jahr 2005 wiederum nicht alle vom Handwerk angebotenen Ausbildungsplätze und Plätze zur Einstiegsqualifizierung quer durch alle Berufe besetzt werden. Zusätzlich gehen jährlich ca. 10 %, also ca. 350 Ausbildungsstellen dadurch verloren, dass die Bewerber ihre vertraglich besiegelte Lehrstelle nicht antreten, schloss die Ausbildungsexpertin.
Die konjunkturelle Belebung im unterfränkischen Handwerk, die die Betriebe seit Sommer 2005 spüren, hat sich bis zum Ende des vergangenen Jahres fortgesetzt. Der Abbau von Beschäftigung im Handwerk gehe zwar weiter, habe sich aber verlangsamt, erläuterte HWK–Geschäftsführer Andreas Klaeger die Vorabauswertung der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für das 4. Quartal 2005.
Danach hat sich die Auftragssituation auf weiter niedrigem Niveau stabilisiert, doch noch immer beurteilen die Handwerker ihre Geschäfte mehrheitlich negativ. Die leichte Erholung zeigt sich daran, dass die Auslastung der Betriebe Ende 2005 die 70 Prozent–Marke wieder überschritten und sich die Investitionsquote mit 28 Prozent wieder erhöht hat. „Die Erwartungen für das 1. Quartal 2006 sind von verhaltener Zuversicht geprägt", sagte Klaeger, "denn der Anteil der Betriebe, die skeptisch in die Zukunft blicken, sinkt."
online seit 25. Jan 2006, aktualisiert am 25. Jan 2006
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