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Kammerspitze beim Jahrespressegespräch

Lage im Handwerk bleibt schwierig

Es ist eine gute Tradition: Seit vielen Jahren bildet die Auszeichnung der Bundessieger des Praktischen Leistungswettbewerbs im Würzburger Hotel Walfisch den äußeren Anlass, die regionale Presse in einem Gespräch über die Lage des Handwerks in Unterfranken und die Aktivitäten der Handwerkskammer zu informieren. Und so standen Anfang Februar HWK-Präsident Walter Stoy und Hauptgeschäftsführer Franz Josef Kleespies im Kreuzfeuer der Medienvertreter, die wie stets sehr engagierte Fragen rund um Handwerk, Ausbildung und Meisterbrief stellten. Die Themenpalette reichte von der aktuellen wirtschaftlichen Lage über die Konsequenzen der novellierten Handwerksordnung bis hin zum Ausbildungspakt und der Ausbildungssituation in Unterfranken.

Präsident Walter Stoy berichtete von dem weiterhin schwierigen Umfeld, in dem sich die Betriebe bewegen müssten. Die Novellierung der neuen Handwerksordnung habe zwar rein statistisch betrachtet zu einer Existenzgründungswelle im Handwerk geführt. Für eine Bilanz sei es nach zwölf Monaten jedoch zu früh. Sicher sei aber, dass ein großer Teil dieser Neugründungen legalisierte Schwarzarbeit und zudem staatlich subventioniert sei. Diese Entwicklung ginge zu Lasten des ersten Arbeitsmarktes, denn auch in Unterfranken seien im Jahr 2004 jede Menge von Arbeitsplätzen weggebrochen. Er, Stoy, frage sich, wo denn die eine Million neue Arbeitsplätze in Deutschland geblieben seien, die die Bundesregierung als wichtigste Begründung für die Novellierung der Handwerksordnung seinerzeit ins Feld geführt hatte.

Verbesserung der Rahmenbedingungen angemahnt

Stoy mahnte an, dass die große, mittelstandsorientierte Steuerreform weiterhin nicht in Angriff genommen werde, ebenso wie die seit langem gebotene Vereinfachung unseres Steuersystems. Überfällig sei zudem die Reform des Arbeitsrechts sowie die weitere Entbürokratisierung. "Wir fühlen uns von Vorgaben und Gesetzen eingemauert," beklagte Walter Stoy. Der Grundgedanke von Hartz IV "Fördern und Fordern", sei jedoch ein richtiger Ansatz.

Stoy äußerte auch Bedenken zur von der Europäischen Union geplanten Dienstleistungsrichtlinie. Die von der Kommission vorgeschlagene Richtlinie soll es Handwerkern und anderen Dienstleistern erlauben, europaweit Dienste nach dem Recht ihres Heimatlands anzubieten. Vor allem dieses so genannte Herkunftslandsprinzip stoße beim Handwerk auf Kritik, weil damit in Deutschland zu zahlende Tarife und Mindestlöhne unterlaufen würden, sagte Stoy.

Gründungen ohne Qualifikationsnachweis überwiegen

Hauptgeschäftsführer Franz Josef Kleespies informierte über die Entwicklung des Betriebsbestandes im Kammerbezirk, insbesondere in den Berufen der neuen Anlage B1, also den bisherigen Vollhandwerks-Berufen, die seit 2004 ohne Qualifikationsnachweis ausgeübt werden dürften. Tatsächlich habe es hier mit insgesamt 421 Neueintragungen eine deutliche Steigerung gegeben. Mit den unkommentierten Zahlen allein die neue Handwerksordnung als Erfolg darzustellen, sei jedoch eine verkürzte Sichtweise. Kleespies erklärte dies am Beispiel der Fliesenleger: Von den 189 Neueintragungen im Jahr 2004 konnten 120 Existenzgründer noch nicht einmal eine Gesellenprüfung als Qualifikation vorweisen. Inwieweit derartige, zumeist subventionierte Gründungen von langer Dauer sind und ob diese Gründer überhaupt weitere Arbeitsplätze geschweige denn Ausbildungsplätze schaffen könnten, zog Hauptgeschäftsführer Kleespies sehr in Zweifel. "Damit," so Kleespies wörtlich, "relativiert sich die an sich schöne Zahl der Existenzgründungen." Erst in einigen Jahren könne man anhand des tatsächlichen Unternehmensbestandes, der Mitarbeiterzahlen sowie der Ausbildungsleistung ein Fazit über die Auswirkungen der neuen Handwerksordnung ziehen.

Auch im Vollhandwerk, also bei den zulassungspflichtigen Handwerken, schaffte die neue Handwerksordnung eine weitere Möglichkeit der selbstständigen Berufsausübung ohne Meisterqualifikation, die sogenannte Altgesellenregelung gemäß § 7b der Handwerksordnung. Franz Josef Kleespies berichtete, dass im Jahr 2004 84 entsprechende Anträge von Gesellen gestellt wurden, von denen bislang 31 genehmigt, 12 abgelehnt und 6 zurückgezogen wurden. Die übrigen Fälle seien, meist wegen fehlender Nachweise, noch nicht entschieden. Die Handwerkskammer würde in allen Fällen eine Stellungnahme über die Eignung gegenüber der Regierung von Unterfranken als genehmigender Stelle abgeben. Von den "Altgesellen" seien vor allem kaufmännische bzw. betriebswirtschaftliche Kenntnisse nachzuweisen.

3.715 neue Ausbildungsverträge

Im dritten Themenblock des Pressegesprächs ging es um die Ausbildung und die Ergebnisse des Ausbildungspaktes. Frank Weth, Leiter des HWK-Geschäftsbereiches berufliche Aus- und Weiterbildung, berichtete über die erfolgreiche Lehrstellenbilanz des Jahres 2004. 3.715 neue Ausbildungsverträge zum 31.12. bedeuten ein Plus von 0,8 %, das sogar leicht über dem bayerischen Landesdurchschnitt von + 0,27 % liege. Dieser Erfolg sei aber auch getragen von den vielfältigen Bemühungen im Rahmen des im Jahr 2004 geschlossenen Ausbildungspaktes der Wirtschaft. So wurden von den haupt- und ehrenamtlichen Akquisiteuren der Handwerkskammer im unterfränkischen Handwerk insgesamt 1.372 neu eingeworbene Ausbildungsplätze registriert. Darunter befänden sich, so Frank Weth weiter, 213 Betriebe, die erstmals ausgebildet haben bzw. Betriebe, die über die Zahl der frei gewordenen Ausbildungsplätze hinaus ausbilden.

Damit hat etwa jeder vierte Handwerksbetrieb in Unterfranken, der bisher schon ausgebildet hat, sein Engagement nochmals verstärkt. Äußerst unterschiedlich sei dabei die Entwicklung in den drei Regionen Unterfrankens. Während die Region um Schweinfurt mit einem Plus von 95 Verträgen und damit rd. 6,8 % gegenüber dem Vorjahr kräftig zulegen konnte, fällt das Ergebnis am Bayerischen Untermain mit einem Plus von 20 Verträgen und damit rd. 1,9 % deutlich geringer aus. Anlass zur Sorge bereitet die Region Würzburg mit einem Minus von 85 Verträgen (– 6,6 %).

Ausbildungspakt geht neue Wege

Während sich im Jahre 2003 viele Ausbildungsbetriebe aufgrund der drohenden Ausbildungsplatzabgabe beim Abschluss neuer Ausbildungsverträge bis zur letzten Minute zurück hielten, zeigte das Jahr 2004 ein normalisiertes Verhalten der Betriebe, stellte Frank Weth fest. Dabei wurde der Kreativitätsspielraum des Ausbildungspaktes vom unterfränkischen Handwerk konstruktiv genutzt. So hat die Kammer bis zum Jahresende insgesamt 56 eingetragene Einstiegsqualifizierungen, sog. EQJ’s, registriert. In 277 zertifizierten Qualifizierungsbausteinen erhalten die 56 Jugendlichen das Rüstzeug für rund 20 Handwerksberufe. Ziel dieser Mini-Ausbildungsverhältnisse mit einer Dauer von drei bis neun Monaten sei das Einmünden in ein reguläres Ausbildungsverhältnis, erläuterte Weth die Ziele dieser neuen Ausbildungsalternative.

Nach Inkrafttreten der novellierten Handwerksordnung setze sich die Kammer verstärkt für die Meisterqualifizierung ein. Die HWK für Unterfranken habe daher in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Kammern eine Aufklärungskampagne für die Meisterqualifikation gestartet. Dass die Meisterprüfung im Handwerk und die damit verbundene hohe Qualität des Qualifizierungsniveaus nach wie vor ohne Unterschiede den Königsweg in allen Gewerken darstellt, zeigt das große Interesse, das diese Aktion bereits jetzt, nach kurzer Anlaufphase, unter dem handwerklichen Nachwuchs hervorgerufen hat.

Bildlegende: (bitte nur Ausschnitt!!)

Rund um die aktuelle Situation des unterfränkischen Handwerks ging es beim traditionellen Pressegespräch im Hotel Walfisch Anfang Februar. Den Fragen der Medienvertreter stellten sich von Seiten der Handwerkskammer (v.r.n.l.) Vizepräsident Gerd Ernst, Präsident Walter Stoy, Hauptgeschäftsführer Franz-Josef Kleespies, Vizepräsident Josef Berthold und Frank Weth, Geschäftbereichsleiter berufliche Aus- und Weiterbildung.

(Foto Klaeger)

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