Hugo Neugebauer als neuer Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken eingeführt
"Vollblut-Handwerker“ in den Ruhestand verabschiedet
Die gesamtwirtschaftliche Lage ist so gut wie schon seit Jahren nicht mehr. Mitte letzten Jahres stabilisierte sich die Konjunktur und befindet sich jetzt sogar im Aufwärtstrend. Grund zur Freude auch für die unterfränkische Handwerkerschaft, die vor kurzem in einer Feierstunde ihren verdienten Präsidenten Walter Stoy in den Ruhestand verabschiedete und Hugo Neugebauer als Nachfolger ins Amt einführte.
Über vier Jahrzehnte für das Handwerk engagiert
Nach über vier Jahrzehnten in den verschiedensten Ämtern und Ehrenämtern des Handwerks - 12 Jahre davon an der Spitze des unterfränkischen Handwerks - war Walter Stoy bei den letzten Neuwahlen im Dezember 2006 nicht mehr angetreten. Am 2. Februar fand nun im Rahmen einer Feierstunde im Würzburger Vogel Convention Center (VCC) die offizielle Amtsübergabe statt. Die Gästeliste des Festaktes las sich dabei wie das „who is who“ des bayerischen bzw. deutschen, ja sogar europäischen Handwerks. Hatten sich doch neben Bürgermeistern, Landräten und Abgeordneten aus dem Bayerischen Landtag und dem Deutschen Bundestag und zahlreichen Obermeistern und Kreishandwerksmeistern aus Unterfranken auch die Führungsspitzen benachbarter Kammern und sogar die Präsidenten der Handwerkskammern aus Caen, Danzig und Istanbul zum Amtswechsel in der Mainmetropole eingefunden.
Doch damit nicht genug! Selbst der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos fanden den Weg nach Würzburg, um Walter Stoy, der sich als Handwerker mit Leib und Seele wie kein zweiter für die Geschicke des unterfränkischen Handwerks engagiert hat, für seinen unermüdlichen Einsatz Dank zu sagen.
Lob aus berufenem Munde
Angesichts der erlesenen Gästeschar betonte ZDH-Präsident Kentzler sehr beeindruckt, dass ein Wechsel an der Spitze der Handwerkskammer zwar Normalität sei, dass dies aber in einem so hochkarätigen internationalen Kreis geschehe, sei außergewöhnlich und spreche für die äußerst erfolgreiche Arbeit, die Walter Stoy für das Handwerk in der Region aber auch darüber hinaus geleistet habe. Besonders würdigte Kentzler den Einsatz, den Walter Stoy in seiner Eigenschaft als ZDH-Vizepräsident erbracht hatte.

Lob gab es ebenfalls von den Präsidenten der ausländischen Partnerkammern Caen, Danzig und Istanbul, die den weiten und nicht immer ganz einfachen Weg nach Würzburg auf sich genommen hatten, um „ihrem Freund“ Walter Stoy für seinen Beitrag zum gemeinsamen Haus des europäischen Handwerks Dank abzustatten. Während Stoy bereits 2006 anlässlich des 40. Geburtstags der Partnerschaft in Frankreich die Goldmedaille des französischen Handwerks erhalten hatte, wurde der scheidende Kammerpräsident und zugleich neue Ehrenpräsident des unterfränkischen Handwerks während der Feierstunde von Wieslaw Szajda, Präsident der Handwerkskammer Danzig, mit der Jan-Kilinski-Goldmedaille, der höchsten Auszeichnung, die das polnische Handwerk überhaupt vergeben kann, geehrt.
Last but not least würdigte Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Walter Stoy als engagierten und sachorientierten Streiter für das Handwerk. „Ohne Sie wäre unser Land ärmer“, so der im unterfränkischen Prichsenstadt lebende Bundeswirtschaftsminister. Und in Richtung des neuen Kammerpräsidenten Hugo Neugebauer äußerte Glos, dass es nicht möglich sei, Walter Stoy zu kopieren. Neugebauer müsse seinen eigenen Weg finden. Allerdings bringe er als passionierter Angler zwei wesentliche Eigenschaften für das Amt des Präsidenten mit - nämlich Geduld und Ausdauer. Außerdem verfüge Neugebauer, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, bereits von Anfang an über eine enge Verbundenheit mit der Kammer. So wurde Hugo Neugebauer 1991 zum Obermeister und ein Jahr später zum Kreishandwerksmeister gewählt. Im Jahr 1999 wurde er dann in den Vorstand der Handwerkskammer für Unterfranken berufen.
Erhöhung des Steuerbonus in Aussicht gestellt

Abschließend nahm Glos noch Stellung zur aktuellen Wirtschaftslage in Deutschland: „Unserer Wirtschaft geht es so gut, wie seit Jahren nicht mehr! Aber nicht nur die Absolventen der Universitäten, sondern auch die tüchtigen Handwerker bringen unser Land voran!“ Damit dies aber so bleibt, brauchen wir auch weiterhin qualifizierten Nachwuchs in den Handwerksberufen. „Denn in der guten Ausbildung liegt die Zukunft unseres Landes“, so Glos.
Die volle Zustimmung der Festversammlung erhielt der Bundeswirtschaftsminister für die Ankündigung, sich für die Erhöhung des 2006 eingeführten Steuerbonus auf Handwerkerleistungen stark zu machen. So könnten Privatkunden für Erhaltungs-, Modernisierungs- und Renovierungsmaßnahmen bislang 20 % aus insgesamt 3000 Euro, also maximal 600 Euro pro Jahr, von ihrer Steuerschuld abziehen. Aufgrund der positiven Auswirkungen auf die Auftragslage der Bau- und Ausbaubetriebe möchte Glos diesen Betrag auf 25 % aus maximal 4000 Euro, also maximal 1000 Euro Steuerbonus pro Jahr, anheben.
Funktionierendes Handwerk für Gesellschaft wichtig
Auch für Hugo Neugebauer, der nun als HWK-Präsident für 18.000 Betriebe mit rund 88.000 Beschäftigten Verantwortung übernommen hat, steht das Thema Ausbildung und Nachwuchssicherung an erster Stelle. Das Handwerk habe zwar nicht mehr unbedingt goldenen Boden, aber ohne Handwerk sei eine funktionierende Gesellschaft nicht möglich. Wer jetzt nicht ausbilde, brauche sich nicht wundern, wenn es während der geburtenschwachen Jahrgänge keine Fachkräfte mehr gebe. Er wolle wie ein Wanderprediger durch die Lande ziehen und für die handwerkliche Ausbildung werben, versprach Neugebauer den Gästen der Feierstunde. Abgerundet wurde der Festakt durch einen Stehempfang, den die zahlreichen Gäste zu einem Gedankenaustausch mit dem Ehrenpräsidenten und dem neuen Kammerpräsidenten nutzen.
Rudi Merkl