271 Meisterbriefe im Cinemaxx Filmtheater Würzburg überreicht
Meister können ab Herbst unbeschränkt studieren
Bei der Meisterfeier der Handwerkskammer am 16. Juli im Cinemaxx Filmtheater Würzburg erhielten 245 Handwerksmeister und 26 Meisterinnen aus insgesamt 19 Berufen - insgesamt 271 Personen - ihre Meisterbriefe. Kammerpräsident Hugo Neugebauer, Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer und Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer überreichten die ersehnten Urkunden.
Besondere Anerkennung erfuhren dabei 54 Absolventen, die mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet wurden. Diese Urkunde erhalten die jeweils 20 % besten Prüfungsteilnehmer eines jeden Handwerks.
In seiner Begrüßung würdigte Handwerkskammer-Präsident Hugo Neugebauer die Leistungen der Jungmeisterinnen und Jungmeister und forderte sie auf, ihre Zukunft nun selbst zu gestalten und auch die Selbstständigkeit anzustreben. „Mit der Entscheidung, sich von der Gesellenebene auf einen Weg zu machen, der ein ordentliches Maß an Fleiß, Ausdauer und Leistungswillen voraussetzt, haben Sie einen großen Schritt in ihrer beruflichen Karriere nach vorne getan", so der Präsident. Zudem forderte Neugebauer die Absolventen dazu auf, durch eigene Ausbildung dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen.
Akademische und berufliche Bildung endlich als gleichwertig anerkannt
Mit Blick auf die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise bezeichnete Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, den Meisterbrief als eine Versicherung höchster Güte. „Unsere Wirtschaft braucht sie unabhängig davon, ob Sie als Arbeitnehmer tätig bleiben, ob Sie jetzt den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und eine eigene Existenz aufbauen oder ob Sie sich im Rahmen eines Hochschulstudiums weiterqualifizieren wollen."
Damit verwies Beinhofer auf die Novelle des bayerischen Hochschulgesetzes, gemäß alle Meisterinnen und Meister sowie die Absolventen von gleichgestellten Fortbildungsprüfungen die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzen und dem ab dem kommenden Wintersemester ein Studium ihrer Wahl aufnehmen könnten. Bedingung dafür sei lediglich, dass die Studienplatzbewerber zuvor ein Beratungsgespräch an der jeweiligen Hochschule führen.
Steuerliche Entlastung für das Handwerk
Ehrengast der Meisterfeier war Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der selbst Wurzeln im Handwerk hat, und dem Präsident Hugo Neugebauer einen Goldenen Meisterbrief überreichte. In seiner Ansprache spannte Glos den Bogen von seiner Zeit als Müllermeister, über die Bedeutung des Handwerks für die deutsche Volkswirtschaft, für Beschäftigung und Ausbildung. Das Handwerk sei auch von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen, allerdings nicht so stark wie die Gesamtwirtschaft. Hier wirkten sich die geringere Exportabhängigkeit und der immer noch starke Konsum stabilisierend aus.
Von den getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung, um Konjunktur und Wachstum zu stärken - 90 Milliarden Euro für 2009 und 2010 entsprechen 4,7 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes, profitiere das Handwerk ganz besonders. Zum einen durch die verdoppelte Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen seit 1. Januar auf 20 % von 6.000 Euro.
Andererseits „schufen wir gerade mit der Einführung einer degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in Höhe von 25 Prozent für die Jahre 2009 und 2010 und der befristeten Erweiterung der Möglichkeit von Sonderabschreibungen für kleinere und mittlere Unternehmen gerade auch für Handwerksbetriebe Entlastungen," so Michael Glos wörtlich. Zudem profitiere das Bau- und Ausbauhandwerk von den Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung sowie von den Zukunftsinvestitionen der Länder und Kommunen, von den Erleichterungen im Vergaberecht. Die Anhebung der Ist-Versteuerungsgrenze auf einheitlich 500.000 Euro verschaffe den Unternehmen mehr Liquidität.
Eine klare Absage erteilte der ehemalige Wirtschaftsminister und CSU-Bezirksvorsitzende in Unterfranken allen Eingriffen des Staates in das Wirtschaftsgeschehen. Ein Zitat von Bundeskanzler Ludwig Erhardt, dem „Vater" der Sozialen Marktwirtschaft, durfte hier nicht fehlen: „Ebenso wie beim Fußballspiel der Schiedsrichter nicht mitspielen darf, hat auch der Staat nicht mitzuspielen."
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