Ausbildungssituation | Leistungswettbewerb
Rudi Merkl

Ausbildungsmarkt 2019: Leichter Aufwärtstrend

2.759 junge Menschen entschieden sich 2019 für eine Ausbildung im unterfränkischen Handwerk

2019 ist die Zahl neuer Lehrlinge im unterfränkischen Handwerk wieder leicht gestiegen. Trotz des leichten Aufwärtstrends wirken sich der demografische Wandel und der anhaltende Trend zum Studium weiter stark auf den Ausbildungsmarkt im unterfränkischen Handwerk aus. Auch 2019 konnten rund 1.000 Lehrstellen nicht besetzt werden, weil geeignete Bewerber fehlten. Um junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, engagiert sich die Handwerkskammer für Unterfranken intensiv für die Qualität in der Ausbildung und bietet zielgruppengenaue Nachwuchswerbemaßnahmen an.

Kennzahlen zur Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt 2019

Die wichtigsten Zahlen zum Ausbildungsmarkt 2019 im unterfränkischen Handwerk auf einen Blick:

2.759

neue Lehrlinge

+2,7 %

im Vergleich zum Vorjahr

7.404

Lehrlinge insgesamt

7,9 %

Ausbildungsquote
(Anteil Lehrlinge an allen Beschäftigten)

Stabile Entwicklung bei Mittelschülern und Abiturienten, mehr Realschüler

Unter den neuen Lehrlingen im unterfränkischen Handwerk bildeten 2019 Mittelschüler die größte Gruppe. Ihr Anteil ist mit 47,2 % im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (2018: 46,9). Eine Steigerung gibt es auch bei den Realschülern: 2019 hatten insgesamt 37,6 % der neuen Lehrlinge diesen Schulabschluss (2018: 35,5 %). Mit 9,2 % ist der Anteil der neuen Lehrlinge mit (Fach-) Hochschulreife zudem im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben (2018: 9,5 %).

So haben sich die Schulabschlüsse neuer Lehrlinge im unterfränkischen Handwerk in den letzten zehn Jahren entwickelt:

Entwicklung Neue Lehrlinge nach Schulabschlüssen

Unterschiedliches Bild in den Regionen

Der Ausbildungsmarkt in den Regionen hat sich im vergangenen Jahr unterschiedlich entwickelt. Während die Regionen Würzburg und Main-Rhön mit 8,4 % bzw. 4,0 % eine Steigerung an neuen Lehrlingen verzeichnen, ist die Zahl am Bayerischen Untermain um 5,8 % zurückgegangen. "Auf regionaler Ebene beobachten wir immer wieder gewisse Zyklen: Die Betriebe stellen in einem Jahr besonders viele Auszubildende ein, bilden dann drei Jahre lang aus und besetzen erst danach wieder ihre Lehrstellen", erläutert Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken.

Wie viele Lehrlinge es 2019 insgesamt in den Städten und Landkreisen Unterfrankens gab, zeigt die folgende Grafik

Lehrlinge insgesamt 2019 | Handwerk Unterfranken

Lehrlinge insgesamt 2019 in den Städten und Landkreisen

Intensive Unterstützung ausbildender Betriebe

Neben zahlreichen zielgruppengenauen Nachwuchswerbemaßnahmen bildet die intensive Unterstützung der Ausbildungsbetriebe einen weiteren Schwerpunkt der Aktivitäten Handwerkskammer für Unterfranken. Um die Qualität in der Ausbildung auf hohem Niveau zu sichern, bietet die Handwerkskammer für Unterfranken beispielsweise eine Workshopreihe für Ausbildungsverantwortliche in den Betrieben an. Seit 2019 gibt es bei der Handwerkskammer für Unterfranken zudem das Projekt „Q-Net Handwerk – Qualität für ausbildende Betriebe“, das Klein- und Kleinstbetriebe beim Thema Ausbildung unterstützt. "Die Projektmitarbeiterinnen sprechen Unternehmen an, die noch nie oder schon länger nicht mehr ausgebildet haben. Sie bieten praktische und kompetente Unterstützung bei allen Themen rund um die betriebliche Ausbildung", erläutert Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul. "Q-Net Handwerk – Qualität für ausbildende Betriebe" wird als JOBSTARTER plus-Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds gefördert.

Weiterhin hohes Engagement in der beruflichen Integration

Auch Geflüchtete bleiben für Handwerksbetriebe eine wichtige Zielgruppe und das Engagement des Handwerks in der Integration ist weiter hoch. Vergangenes Jahr waren unter den neuen Lehrlingen insgesamt 209 junge Menschen aus den acht häufigsten Asylantragsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien). Über alle Lehrjahre hinweg betrug ihre Anzahl 466. In der Region sind auch weiterhin, gefördert über das Programm "Passgenaue Besetzung" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die Willkommenslotsen im Einsatz. Sie unterstützen Betriebe, die Geflüchtete ausbilden oder beschäftigen wollen.

Um qualifizierte Fachkräfte für das Handwerk zu gewinnen, setzt das Handwerk auch auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März 2020 in Kraft tritt. "Das Gesetz erleichtert die Zuwanderung beruflich qualifizierter Fachkräfte, die das Handwerk dringend braucht. Es muss jetzt möglichst unbürokratisch umgesetzt werden, um seine Wirkung entfalten zu können", so Ludwig Paul.

Berufliche Integration | Willkommenslotsen
Susanne Gnamm