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Roland Maul, Nicole Brandler, Laura Grimm, Handwerkskammer - Collage: Handwerkskammer
Das unterfränkische Handwerk trotzt Corona mit Kreativität und Sachverstand.

Gemeinsam stark

Wie das unterfränkische Handwerk das Beste aus der Krise macht

Corona verändert vieles – auch das unterfränkische Handwerk. Daraus wächst große Unsicherheit. Die Handwerker in der Region haben dennoch kreative Wege gefunden, dem Virus und Zukunftsängsten den Kampf anzusagen. Sie nähen Schutzmasken, bieten Lieferservices an, statten Läden mit Trennscheiben aus, spenden Schutzanzüge aus ihrem Bestand an Krankenhäuser und Seniorenheime. Hier sind einige Beispiele:

Näheres zum Neustart unterfränkischer Handwerksbetriebe nach dem Lockdown:

 Deutsche Handwerks Zeitung Ausgabe 09 / 2020



Masken von der Maßschneiderin

3.000 Schutzmasken haben Schneidermeisterin Nicole Brandler und ihr Team in den vergangenen Wochen genäht. Corona veränderte auch den Alltag in ihrem Atelier in kürzester Zeit: „Von heute auf morgen war kein Kundenkontakt mehr möglich – und damit gab es auch keine Anproben mehr“, sagt Nicole Brandler. „Gleichzeitig mangelte es an allen Ecken und Enden an Schutzmasken. Als ein großer deutscher Textilhersteller ankündigte, er könne Ende Mai solche Masken liefern, dachte ich, da sind wir schneller“, erinnert sie sich.

Qualität für bestmöglichen Schutz

Seitdem sind bei ihr nicht nur neue Arbeitsplätze entstanden, sondern eben auch die Masken, aus faserdichter Baumwolle, für bestmöglichen Schutz, in immer neuen Variationen. Wer möchte, kann sie – per Druck oder Stickerei – mit dem eigenen Firmenlogo versehen lassen. Ein exklusiver Pflegetipp von der Schneidermeisterin: „Die weißen Masken sind bei 90 Grad, die farbigen bei 60 Grad waschbar. Sie können sie aber auch fünf Minuten im Kochtopf auskochen, dann ist keine extra Waschmaschinenladung nötig.“ Inzwischen erhält sie Bestellungen aus Deutschland, Schweden und der Schweiz. Bestellen kann man die Masken online oder telefonisch, die Lieferung erfolgt auf dem Postweg – oder auch mal über den Gartenzaun.



"Die Resonanz war sehr positiv."
                                          Nicole Brandler



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Nicole Brandler
Corona-Schutz aus dem Handwerk für das Handwerk: Die Masken von Schneidermeisterin Nicole Brandler.



Bastelpäckchen gegen die Langeweile

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Anna Meusert
Bastelpakete mit bunten Planenresten als Rezept gegen die Langeweile.

Die Firma Planen Wehner fertigt Zelte, Markisen und Planen aller Art. Die bunten Planenreste, die übrig bleiben, sind für die Kindergärten in der Umgebung beliebte Bastelware. Als offiziell wurde, dass Kindergärten und Tagesstätten zum Schutz vor Corona schließen müssen, reagierte Betriebsleiterin Anna Meusert im Handumdrehen, packte kleine Pakete mit den Planenresten und Stoffen und stapelte sie vor der Tür, wo sie von Familien abgeholt werden konnten. „Wir haben Bilder zurückbekommen von wirklich tollen Bastelergebnissen, von Handtaschen über Boote bis hin zu Dinosauriern war alles dabei. Die Leute haben sich riesig gefreut“, so Anna Meusert.

Trennscheiben aus Folienglas

Auch in einer weiteren Hinsicht hat der Betrieb schnell auf Corona reagiert: Seit Plexiglas zur Mangelware wurde, der Bedarf nach Trennscheiben aber nach wie vor groß ist, funktionierte das Unternehmen das Folienglas, das sonst für Vorhänge verwendet wird, einfach um und stattete Schulsekretariate, Bürgerbüros, Schuhläden, Supermärkte und Linienbusse mit Schutzscheiben aus, die aufgehängt oder aufgestellt werden können. „Wir sind froh, dass wir so schnelle Lösungen schaffen konnten. Dadurch sind wir bisher gut ausgelastet“, freut sich Anna Meusert.



Großzügige Sachspenden

Dort, wo sie am dringendsten gebraucht wurde, war im März Schutzausrüstung häufig knapp – viele Handwerker aus der Region wollten den Notstand in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht akzeptieren und folgten dem Aufruf von Roland Maul, Initiator der Hilfsaktion „Betriebe helfen auch zu Corona-Zeiten!“: Zimmerer, Dachdecker, Schreiner, Maler und Lackierer, Kfz-Mechatroniker und Metallbauer beispielsweise spendeten Schutzmasken und -kleidung aus ihren Beständen zum Schutz der Mitarbeiter, Patienten und Bewohner.

Möglichst schnell handeln

„Der Bedarf war riesig und es ging darum möglichst, schnell zu handeln. Da habe ich mein gesamtes Netzwerk aktiviert“, erklärt Roland Maul. „Die Resonanz war enorm. Jeder hat zurückgerufen; eine Zimmerei hat 150 Schutzanzüge gespendet, die sonst bei der Entsorgung von Asbestabfällen zum Einsatz kommen. Das Personal des Pflegeheims war gerührt.“ Er hofft, dass seine Hilfsaktion Nachahmer findet.



"Der Bedarf ist riesig und das Pflegepersonal war gerührt."
                                                                                                  Roland Maul

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Roland Maul
Handwerker aus der ganzen Region Unterfranken sind dem Aufruf von Roland Maul gefolgt und spendeten Schutzanzüge und -masken aus ihren Beständen an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen oder auch die Freiwillige Feuerwehr.



Rhöner Wurstspezialitäten im Geschenkformat

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Claudia Ortlepp
Regionalität im Paket: Metzgermeister Andreas Ortlepp verschickt auf Bestellung kulinarische Grüße.

Ostern brachte Metzgermeister Andreas Ortlepp auf eine gute Idee: „Normalerweise besuchen ja die meisten an Ostern ihre Familien. Aber weil das in diesem Jahr nicht möglich war, wollten wir den Leuten die Möglichkeit geben, ein Stück Heimat nach Hause zu schicken“, erläutert Andreas Ortlepp. Wer möchte, kann bei ihm seitdem Geschenkpakete mit hausgemachten Konserven, Geräuchertem, Wurst und einem beigelegten Brief mit Grüßen bestellen. Andreas Ortlepp: „Wir wollten zeigen, wir sind weiterhin da.“

Große Verantwortung

Corona hat auch die Abläufe in der Metzgerei verändert, umfassende Sicherheitsvorkehrungen mussten getroffen werden. Allerdings werde gerade in dieser schwierigen Zeit die Relevanz des Nahrungsmittelhandwerks noch deutlicher, so der Metzgermeister: „Die Leute sehen, dass wir Verantwortung haben, dass wir einen wichtigen Job machen.“



Digital durch die Schließung

Auch viele kleine Handwerksbetriebe mussten von Mitte März bis Ende April 2020 ihren Verkauf vor Ort für viele Wochen einstellen. So zum Beispiel die Goldschmiede Roso in Würzburg. Inhaberin Klaudija Roso und ihr Team freuten sich sehr, Kunden wieder persönlich begrüßen zu dürfen – wenn auch mit Abstand und entsprechenden Schutzvorkehrungen. In der Zeit im reinen Werkstattbetrieb waren sie und ihr kleines Team aus einer Gesellin und einer Auszubildenden durch die Treue der Stammkundschaft weiterhin gut ausgelastet. „Es sind immer wieder Aufträge reingekommen. Die Kommunikation per E-Mail, Telefon und Video-Chat wurde von den Kunden gut angenommen.“

Neue Kommunikationskanäle

Die Zeit hat das Team zudem genutzt um den eigenen Social Media-Kanal stärker mit Inhalten zu füllen als es bisher möglich war, um so zukünftig auch eine zusätzliche, jüngere Zielgruppe zu erreichen. Klaudija Roso ergänzt: „Wir hatten hier richtig Spaß bei der Arbeit, weil es ein grundsätzlich anderes Arbeiten war. Das war in gewisser Weise auch angenehm. Es hat uns als Team zusammengeschweißt.“

Goldschmiedemeisterin Klaudija Roso hat mit ihrem Team die Zeit der angeordneten Betriebsschließung auch dafür genutzt, neue Kommunikationskanäle und Kundenansprache auszuporobieren.
Handwerkskammer
Goldschmiedemeisterin Klaudija Roso hat mit ihrem Team die Zeit der angeordneten Betriebsschließung auch dafür genutzt, neue Kommunikationskanäle und Kundenansprache auszuporobieren.



Roboter für den Infektionsschutz

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Laura Grimm
Mit Robotik gegen Corona: Die Geschäftsführer Simon Karl und Severin Bobon der Firma BoKa Automatisierung haben einen Roboter entwickelt, mit dem kontaktlos Corona-Tests entgegengenommen werden können.

Die Firma BoKa Automatisierung hat sich auf die Entwicklung von Roboteranlagen spezialisiert. Zur Bewältigung der Krise hat das Unternehmen aus Dorfprozelten auf Basis seines Standardbaukastensystems einen Roboter konstruiert, der die Durchführung von Corona-Tests unterstützen kann: Er ermöglicht es, in kurzer Zeit viele Abstriche kontaktlos zu entnehmen. Wer sich testen lässt, fährt mit dem Auto zu der entsprechenden Anlage, die den Ausweis scannt und die Person identifiziert. Ein Roboterarm händigt dann das Teststäbchen aus und nimmt den Abstrich entgegen.

Kontaktloser Corona-Test

„Weil bei der Entnahme der Probe kein zwischenmenschlicher Kontakt nötig ist, wird das Infektionsrisiko an dieser Stelle minimiert“, erläutert Geschäftsführer Severin Bobon. Menschliche Arbeitskraft, die hierdurch eingespart werde, könne beispielsweise in Praxen und Krankenhäusern sinnvoller eingesetzt werden. Auf die Idee brachte ihn ein Video der Würzburger Drive-in-Teststation: „Da dachte ich, diesen Vorgang müssen wir digitalisieren. Durch unser modulares Baukastensystem sind wir in der Entwicklung sehr schnell.“ Binnen zwei Wochen konnte ein erster Prototyp gefertigt werden. BoKa Automatisierung plant, die Roboter weltweit zu exportieren. Bis es so weit ist, arbeitet die Firma bereits an Automatisierungslösungen für weitere Schutzmaßnahmen.