Werben für eine berufliche Ausbildung (v.l.): Michael Bissert, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, David Sondo, Straßenbauer, Stefan Beil, Leiter der Agentur für Arbeit Würzburg, Felix Lödl, Auszubildender zum Straßenbauer, und Christiane Hofmann, Geschäftsführerin der Zöller Bau GmbH.
Handwerkskammer für Unterfranken
Werben für eine berufliche Ausbildung (v.l.): Michael Bissert, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, David Sondo, Straßenbauer, Stefan Beil, Leiter der Agentur für Arbeit Würzburg, Felix Lödl, Auszubildender zum Straßenbauer, und Christiane Hofmann, Geschäftsführerin der Zöller Bau GmbH.

Mehr Ausbildung wagen und Fachkräfte sichern

Im Hintergrund steht sie, mächtig, stark, gut im Lack, Aufmerksamkeit erregend – und schon 61 Jahre alt. Eine Dreiradwalze mit Geburtsjahr 1961, direkt neben dem Hauptsitz der Zöller Bau GmbH in Triefenstein-Lengfurt. Blau lackiert. Mit leuchtend feuerroten Walzen. "Sie ist unser Symbol für die Beständigkeit des Handwerks – auch in schwierigen Zeiten" sagt Christiane Hofmann, Geschäftsführerin von Zöller Bau während eines Pressetermins zur bundesweiten Woche der Ausbildung Mitte März. Mit dabei: Stefan Beil, Leiter der Agentur für Arbeit Würzburg, und Michael Bissert, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken. Alle drei wollen die Woche der Ausbildung dafür nutzen, den Fokus auf eine Steigerung der Ausbildungsverträge zu richten.

Handwerk hautnah

"Ausbildung im Handwerk ist so wichtig für uns alle, deshalb engagiere ich mich heute sehr gerne", so Christiane Hofmann, und hat gleich zwei Mitarbeiter mitgebracht: Felix Lödl, derzeit im zweiten Ausbildungsjahr zum Straßenbauer und David Sondo, seit einem halben Jahr ausgelernter Straßenbauer. Die beiden strahlen eine natürliche Offenheit aus, sitzen mit ihren Arbeits-Klamotten in der Runde und berichten von ihrer Ausbildung und ihrer Arbeit. Davon, dass sie die Vielseitigkeit des Berufs schätzen und vor allem auch den Teamgeist, der auf den Baustellen herrscht. Sie geben einen kurzen Einblick in ihr Handwerk, lassen die Gäste teilhaben an ihrem Gewerk. Und das nicht ohne Stolz. Der 17-Jährige Felix Lödl bringt es leicht grinsend auf den Punkt: "Büro ist nichts für mich."

Für Michael Bissert, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken und selbst zweifacher Handwerksmeister, stehen die beiden stellvertretend für die kommende Generation im Handwerk. "Sie zeigen, wie viel Spaß man im Handwerk haben kann, dass Handwerk berufliche und persönliche Erfüllung bringen kann. Die beiden sollen Ansporn sein für junge Menschen, die gerade vor der Berufswahl stehen, ebenfalls über eine Karriere im Handwerk nachzudenken." Sein Appell: "Es ist allerhöchste Zeit, die berufliche Bildung auf allen Ebenen weitaus vehementer als bisher zu stärken. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, die berufliche Bildung nicht in dem Maße zu fördern wie die akademische."

Eine Ausbildung im Tiefbau zu machen und Autobahnen, Straßen und Gehwege zu bauen ist natürlich kein Schreibtischjob. Dazu braucht man Kraft, Kondition und die Bereitschaft, bei jedem Wetter im Freien und zu arbeiten.
Handwerkskammer für Unterfranken
Eine Ausbildung im Tiefbau zu machen und Autobahnen, Straßen und Gehwege zu bauen ist natürlich kein Schreibtischjob. Dazu braucht man Kraft, Kondition und die Bereitschaft, bei jedem Wetter im Freien und zu arbeiten.

Zukunkftsorientierte Ausbildung

Stefan Beil, Leiter der Agentur für Arbeit Würzburg, sieht das ähnlich, er spricht derzeit von einem "sehr angespannten Ausbildungs- und Arbeitsmarkt", es müsse unbedingt intensiv in den Nachwuchs investiert werden. Vor allem drei große Zielgruppen hat Stefan Beil im Blick, wenn er das Konzept der Woche der Ausbildung erklärt: Betriebe ("Sie sollen motoviert bleiben, Ausbildungsplätze anzubieten"), Jugendliche ("Ihnen muss klar sein, dass eine Ausbildung gleich gut ist wie ein Studium") und die Eltern ("Sie haben einen großen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder").

Fehlende praktische Berufsorientierung

Aufgrund der Corona-Pandemie sind in den vergangenen zwei Jahren sehr viele Berufsinformationstage für Schülerinnen und Schüler ausgefallen, Betriebspraktika durften nicht angeboten werden, Jugendliche konnten sich vornehmlich digital über verschiedene Berufe oder Studiengänge informieren. Somit hat das Corona-Virus massiv Einfluss genommen auf die Berufsorientierung, was gerade dem Handwerk geschadet hat. "Handwerk muss man mit der Hand erleben", bekräftigt Stefan Beil, und Michael Bissert ergänzt: "Ich bin ja selbst Handwerksmeister, und weiß, was Handwerk ausmacht: Handwerk ist Machen, Anfassen, Begreifen, Kreieren, Erschaffen. Und das können wir jungen Menschen am besten vermitteln, wenn wir im direkten Kontakt mit ihnen sind. Virtuell ist das wirklich schwierig. Deshalb müssen wir 2022 unbedingt zu einer praxistauglichen Berufsorientierung zurückkehren."

Felix Lödl, Auszubildender zum Straßenbauer, demonstriert zusammen mit seinem Kollegen, wie auf einem extra aufgebauten Gehweg das Setzen der Pflastersteine während der Ausbildung geübt wird.
Handwerkskammer für Unterfranken
Felix Lödl, Auszubildender zum Straßenbauer, demonstriert zusammen mit seinem Kollegen, wie auf einem extra aufgebauten Gehweg das Setzen der Pflastersteine während der Ausbildung geübt wird.

David Sondo ist bereits Geselle. Seine Ausbildung zum Straßenbauer hat er bei Zöller Bau gemacht.
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David Sondo ist bereits Geselle. Seine Ausbildung zum Straßenbauer hat er bei Zöller Bau gemacht.

Für David Sondo und Felix Lödl ist gerade die Praxis das Spannende an ihrem Beruf, sie wollen nicht immerzu theoretisieren, sondern pragmatisch und praktisch anpacken. Und das machen die beiden sehr gut, darauf verweist die Chefin Christiane Hofmann und stellt klar: "Mit der Ausbildung ist der berufliche Weg im Handwerk nicht vorbei. Beide erhalten fundierte Weiterbildungen und können so sich selbst und ihren Beruf weiter voranbringen." In diesem Sinne ist für Michael Bissert das Handwerk ein Synonym für eine gute berufliche und persönliche Zukunft. „Das müssen alle verinnerlichen und dem Handwerk die Wertschätzung erweisen, die es seit Generationen verdient hat. Dafür werden wir unermüdlich kämpfen. Davon hängt auch die künftige Struktur unserer Gesellschaft ab. Denn was wäre unsere Gesellschaft ohne das Handwerk? Früher, heute und morgen?“ Es lohnt der Blick zurück, um in der Gegenwart zu sehen, was in der Zukunft sein wird. Daran erinnert auch die alte Dreiradwalze, die weiterhin vor dem Firmensitz von Zöller Bau stehen wird. Blau lackiert. Mit leuchtend feuerroten Walzen.

Woche der Aus- und Weiterbildung

Die bayernweite Aktionswoche bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen vielfältige Möglichkeiten, sich bezüglich einer betrieblichen Ausbildung zu informieren. Jugendliche und Eltern können so direkt in Kontakt zu Ausbildungsbetrieben und Ausbildungsberatern kommen und Betriebe vor Ort und in der Region kennenlernen. Mit dem Schwerpunktthema "Mehr Ausbildung wagen" soll aber auch Arbeitgebern der Stellenwert einer soliden beruflichen Ausbildung zur eigenen Fachkräftesicherung aufgezeigt werden. Vielfalt, Praxis und ein sicherer Start in den Arbeitsmarkt sind nur einige gute Argumente für eine Berufsausbildung im Handwerk.

Die Experten der Beruflichen Bildung der Handwerkskammer für Unterfranken organisieren im Rahmen der Woche der Ausbildung jährlich unterschiedliche Infoveranstaltungen und stehen als Ansprechpartner bei zahlreichen weiteren Terminen zur Verfügung.